König Otto der Große

König Otto I. der Große und seine Politik mit der Reichskirche

von Björn Böhling

3.3.4. Zusammenfassung und Ausblick

Das bisher Gesagte könnte nun wie folgt zusammengefasst werden: Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass ein Herrscher auf die Unterstützung der Stammesherzöge angewiesen war, wenn er nicht nur ein einflussreicher, sondern auch ein selbständig handelnder Monarch sein wollte. Otto I. hatte seit seiner Inthronisation 936 versucht, den Adel durch Verheiratungen an seine Familie zu binden. Spätestens nach dem Aufstand seines Sohnes Liudolf 953/54 musste er allerdings einsehen, dass der persönlichen Macht- und Herrschaftsgier der vermeintlichen Verbündeten mit diesem Mittel nicht zu begegnen war. An dieser Stelle war es Zeit, sich über Alternativen klar zu werden, da nicht nur Ottos Herrschaft, sondern das Prinzip der Zentralgewalt bedroht war.[79]

Der König wandte sich aus dem Grund dem Klerus zu und baute „die Reichskirche zum tragenden Pfeiler der Reichsverfassung“ aus.[80] Die Herrschaft über die Reichskirche, die schon vorher bestand und somit keine grundlegende Neuerung bedeutete, wurde aktualisiert, d.h. die führenden Positionen (Abteien, Bischofsstühle, Leitung von Konzilien) wurden mit königstreuen Klerikern besetzt, die man aus der königlichen Hofkapelle rekrutierte, um einen verlässlichen Gegenpart zum weltlichen Adel zu schaffen.[81] Um die Reichskirche für diese Aufgabe zu qualifizieren, erhielt sie weltliche Hoheitsrechte und Reichsgüter. Im Gegenzug war es Aufgabe der kirchlichen Herren gewesen, dem König Dienste (Servitium regis, Truppenunterstützungen) zu erweisen. Auf diese Weise benutzte der Monarch den Klerus für seine politischen Ziele, konnte das Reich sichern, die Gebiete östlich des Reiches christianisieren und sich stets auf seinen Klerus verlassen.

Es scheint, dass die in der Einleitung gestellte Frage nach dem hohen Ausmaß der königlichen Macht über den Klerus hier schon bejaht werden muss. Im folgenden Kapitel werden die gewonnen Erkenntnisse in die Kontroverse der Mediävisten einfließen und verschiedene Meinungen beleuchtet,[82] bevor die Positionen im letzten Kapitel ausgewertet werden.

[79] Offensichtlich bestand zur damaligen Zeit nur die Auswahl zwischen einem System mit einem starken Monarchen für das gesamte Reich oder aber mit vielen Stammesherzögen als jeweils in ihren Ländern kleine Könige. Dies hatte sich allerdings für die Verteidigung des Reiches (Normmannen-, Ungarneinfälle) schon vorher als unwirksam erwiesen.

[80] Engels 1986, S. 41.

[81] Dies wird als Gegengewichtsthese bezeichnet.

[82] Bei dieser Zusammenfassung handelt es sich um eine ältere Geschichtsdeutung, die dringend der Ergänzung, Korrektur oder Bestätigung bedarf. Um den Verlauf der Kontroverse zu skizzieren, wurde bei der Zusammenfassung schon eine Bewertung eingefügt, die ein Geschichtsbild entstehen lässt, das wahrscheinlich in der Gesellschaft noch weit verbreitet ist und eine durchweg homogene und auf die Bedürfnisse des Königs fixierte Reichskirche darstellt. Es soll aber hiermit auch klar gemacht werden, dass diese Bewertung nur vorläufig ist und einige Forschungsergebnisse noch nicht einbezieht.
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