König Otto der Große

König Otto I. der Große und seine Politik mit der Reichskirche

von Björn Böhling

4. Kontroverse um die Gegengewichtsthese

„The normal reliance of the medieval king on his prelates was … turned into a deliberate and systematic exploitation of the potential of the Church as an instrument of government. The.. rulers used bishops and abbots, whom they appointed, as a counterweight to a turbulent and unreliable lay nobility. Many historians have, so to speak, followed them in this, have turned from the Ottonians’ and Salians’ complex and seemingly unsatisfactory relations with their aristocracy to their church policy. Here they have seen plan, system and harmony, so much so that the Church has come to be regarded as the principal instrument of government available to these rulers.”[83]

Mit diesen Worten eröffnet Reuter seinen Aufsatz und auch hier wird das Kapitel mit der These begonnen. Sie eröffnet die Kontroverse über die Funktionsweise der Reichskirche. War sie nun wirklich, wie bisher wohl ersichtlich, des Königs Instrument? Im Folgenden werden Forschungsergebnisse und Thesen erläutert, die dem bisher Gesagtem entgegenstehen.[84] Dabei wird in erster Linie auf Reuter, Schieffer u.a. Bezug genommen.

Schieffer wirft wichtige Fragen auf. 1. Warum sollte sich der König gerade auf die Bischöfe verlassen wollen, wenn viele ihm in vergangenen Krisen nicht beigestanden hatten?[85] 2. Wozu brauchte Otto I. nach 955 ein Gegengewicht zu den Stammesherzögen, nachdem er sich doch gerade erst durchgesetzt hatte und es keine Spannungen im Reich mehr gab?

Parkett Gelmatratzen

[83] Reuter 1982, S. 347.

[84] Ein Bestandteil der Kontroverse ist die Frage, ob der Systembegriff hier angewandt werden kann. Da die Frage für diese Hausarbeit allerdings nicht relevant erscheint, kommt sie im Weiteren nicht vor.

[85] Engels unterstützt diese Frage, wenn er über die Bischöfe von Utrecht vorsichtig formuliert: „Bischöfe [hatten] sich im 10. Jahrhundert zwar nicht aktiv auf der Gegenseite der Ottonen betätigt, aber in Krisensituationen, wo man ihre Hilfe für den König erwarten würde, verhielten sie sich auffallend zurückhaltend.“ (Engels 1986, S. 74).
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