König Otto der Große

König Otto I. der Große und seine Politik mit der Reichskirche

von Björn Böhling

3. Die Herrschaft Ottos I. und die Reichsverfassung

An dieser Stelle muss nun noch einmal kurz auf den Beginn der Regentschaft Ottos I., auf die Krönung in Aachen (936), eingegangen werden, da sie in sich schon die neue Reichsverfassung symbolisierte. Durch ihren Ablauf wurden die drei Säulen der Herrschaft deutlich. Das waren Designation, Wahl und Salbung. Die Designation deutete auf das Erbrecht hin, dass Otto als dynastisch legitimierte. Die Wahl durch die weltlichen Großen (Stammesherzöge) sicherte ihn ab und verband ihn zugleich mit den Herzögen, d.h. machte ihn zu ihrem König. Schließlich legitimierte ihn die Salbung in Bezug auf das Gottesgnadentum und sicherte ihm die Oberherrschaft über die Kirche. Somit bildeten Königtum, Adel und die Kirche des Reiches eine Einheit, die den Charakter des neuen deutschen Reiches ausmachte und sich von der karolingischen Tradition abgrenzte, in der es bekanntlich hauptsächlich auf das starke Königtum mit Unterstützung der Kirche angekommen war.[42]

Die Krönung unter Einbeziehung der drei mächtigsten Institutionen des Reiches bildete für Otto einen prachtvollen wie auch kurzen Auftakt seiner Regierungszeit. Die neue Ordnung war jung und musste sich erst noch bewähren. Schon bald wurde ihr dazu die Möglichkeit gegeben, als sowohl die Brüder des Königs gegen die neue Nachfolgeregelung, die sie quasi enteignet hatte,[43] aufbegehrten, als auch die Stammesherzöge versuchten, ihre Souveränität in ihren Gebieten zu festigen und auszubauen. Sie erkannten zwar die Oberherrschaft des Königs an, betrachteten die Stammesherzogtümer wohl dennoch als ihre Privatsache, in die sich der König nicht einzumischen habe. Aber auch Otto I. selbst hatte das Seine zu den Streitereien beigetragen. Er

„machte von Anfang an deutlich, dass er nicht mehr ‚primus inter pares’ sein wollte ... [und] gedachte, politische Entscheidungen auch ohne die Zustimmung des Hochadels zu treffen ... Die Beschneidung ihrer bisherigen Rechte und die verstärkte Unterordnung gegenüber dem Königtum wollten ... [die Adligen] nicht weiter hinnehmen.“[44]

Es folgte eine Zeit der inneren Spannungen und Konflikte, aus denen Otto zwar als Sieger hervorging, die aber auch gezeigt hatte, dass das Königtum doch anfällig und abhängig war und nicht auf sehr sicheren Füßen stand. Er erkannte dies und reformierte die Reichsverfassung, indem er versuchte, die beiden Elemente Adel und Reichskirche enger an sich zu binden.[45] Dies geschah, wie im Folgenden dargestellt wird, auf zwei Ebenen, durch die Reorganisation der Familienpolitik und der Kirche im Reich.

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[42] Das Königtum war nun zusätzlich durch das Prinzip der Unteilbarkeit des Reiches bestimmt, was ebenfalls eine Innovation darstellte.

[43] Nach karolingischem Recht hätte das Reich aufgeteilt werden müssen, und sie wären Könige geworden. Außerdem war Otto I. nicht einmal der Erstgeborene.

[44] Voigt 2000, S. 85.

[45] Die herausragende Stellung dieses Herrschers zeigt sich hier m.E. darin, dass er die Fehlentwicklung wahrnahm, sie versuchte zu ändern und nicht auf die Macht des Königs, wie viele vor ihm, vertraute, sondern offensiv durch sozialpolitische Aktionen agierte. Auch reichte ihm die erst einmal überwundene Krise für diese Erkenntnis. Er nahm die Gegebenheiten von Beginn an ernst und handelte.
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