König Otto der Große

König Otto I. der Große und seine Politik mit der Reichskirche

von Björn Böhling

3.1. Die Familienpolitik und der Liudolfaufstand

Retrospektiv betrachtet, war die Politik des ostfränkisch-deutschen Königs durchaus innovativ und auf die Lösung der Probleme ausgerichtet. Er versuchte weder, sich mit Gewalt gegen seine Widersacher zu wehren, noch sich ihre Treue durch die Vergabe von Krongütern zu erkaufen. Natürlich muss hier differenziert werden, denn seit der neuen Reichsverfassung hatte der König auch nicht mehr das alleinige Recht über das Reichsgut.[46] Er erkannte, dass eine Möglichkeit darin lag, sowohl die machtgierigen Mitglieder des Königshauses zufrieden zu stellen, als auch die störrischen und auf Souveränität bedachten Stammesherzöge an sich zu binden. Fleckenstein fasst die Absichten des Königs daraufhin wie folgt zusammen: „Der Kern des ... Versuches lag darin, daß der König den Tod der einzelnen Stammesherzöge benutzte, ihre Herzogtümer deren Familien zu entziehen und sie an Mitglieder seiner eigenen Familie zu bringen.“[47]

So wurde das Herzogtum Schwaben an seinen ältesten Sohn Liudolf vergeben, der schon 940 mit der Tochter des Schwabenherzogs Hermann verheiratet worden war, Bayern erhielt 947 sein Bruder Heinrich und Lothringen wurde 944 an seinen Schwiegersohn Konrad d. Roten vergeben. Das Herzogtum Franken, seit dem Tod des Herzogs 941, der im Kampf gegen den König starb, sowieso nicht mehr im alten Besitz, wurde überhaupt nicht mehr vergeben, sondern behielt der König selbst zur Verwaltung. So hatte die Politik Ottos I. schon nach relativ kurzer Zeit die Feinde durch großzügige Geschenke abgefunden oder deren Herrschaft ein Ende gesetzt.

Doch trotz dieses Erfolges führte die Familienpolitik nicht zum erhofften Ziel. Die neuen Herren der Stammesherzogtümer verwuchsen mit ihren Gebieten genauso wie ihre Vorgänger. Die Bedeutung der familiären Herkunft, auf die Otto gesetzt hatte, verschwand hinter den eigenen Interessen im neuen Machtbereich. Nachdem es erst zu Rivalitäten zwischen den süddeutschen Herzögen Liudolf und Heinrich gekommen war, entfesselte der Königssohn zusammen mit Konrad d. Roten den Liudolfinischen Aufstand von 953/954 gegen den König.[48] Dieser fiel zeitgleich mit dem Einfall der Ungarn zusammen, mit denen sich die Aufständischen verbanden. Doch gerade dieser Zusammenschluss führte dazu, dass viele Anhänger Liudolfs von ihm abrückten und sich treu zum König stellten. Als dieser schließlich auf dem Lechfeld am 10. August 955[49] die Ungarn vernichtend schlug, war dies auch das Ende des Aufstandes.

Auch wenn der König seinem reumütigen Sohn vergab, hatte sich doch gezeigt, dass die Familienpolitik Ottos I. nicht wirkungsvoll genug war, um seine Herrschaft zu sichern. Die Stammesherzogtümer waren auch in neuer Besetzung noch zu mächtig. Er betrieb seine Familienpolitik zwar weiter, aber ergänzte die Neuordnung des Reiches durch eine stärkere Einbeziehung der Kirche.

[46] Vgl. Fleckenstein 1988, S. 142. Man müsste also untersuchen, inwieweit der König überhaupt noch finanzielle und militärische Möglichkeiten hatte, sich auf einem anderen Weg seiner Gegner zu erwehren. M.E. waren die drei Säulen so eng verwoben, dass sich keine allein gegen die anderen stellen konnte.

[47] Fleckenstein 1988, S. 144.

[48] Den letzten Anstoß zu dieser Tat war wahrscheinlich die Geburt seines Stiefbruders, wegen der er, seit 946 zum Thronfolger designiert, glaubte, sie würde ihn um sein Erbe bringen (vgl. Fleckenstein 1970, S. 244.).

[49] Jan Dhondt datiert für die Schlacht den 9. August 955. (Vgl. Dondt 1968, S. 198.) Da auch andere Autoren (u.a. Gladen 2001, S. 41) den 10. August als Datum vorziehen, wird er auch hier weiterverwendet. Es stellt sich sowieso die Frage, ob es nun so wichtig ist, ob die Schlacht am 9. oder am 10. geschlagen wurde, aber dass sich diese Diskrepanz hier zeigt, bleibt festzuhalten.
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