König Otto der Große

König Otto I. der Große und seine Politik mit der Reichskirche

von Björn Böhling

3.3.3. Expansion und Christianisierung im Osten

Otto führte die Politik der defensiven Reichsverteidigung seines Vaters fort, musste jedoch sofort nach seiner Einsetzung aktiv werden, da einige Stämme des Schutzgürtels (die Redarier und bald darauf auch die Böhmen) kurz nach dem Tod Heinrichs I. vom Reich abfielen. 937 konnten sogar die Ungarn ungehindert durch Süddeutschland ziehen. Offenbar stand die Grenzsicherung auf tönernen Füßen und bedurfte der ständigen Zuwendung.

Noch im Jahr 936 unterwarf er die Redarier, musste aber gegen die Böhmen eine empfindliche Niederlage hinnehmen.[74] Insgesamt gesehen konnte Otto die von seinem Vater in Besitz genommenen Gebiete aber nicht nur halten, sondern ausbauen und zu einer weiträumigen Markenorganisation formen.[75] Um die Grenze aber dauerhaft zu sichern, betrieb er im Osten eine systematische Christianisierung.[76] Nach einigen Klostergründungen, z.B. Magdeburg 937, war man 948 soweit, eine eigene kirchliche Organisation für die Ostgebiete aufzubauen. Die ersten Bistümer entstanden in Brandenburg, Havelberg und wohl auch in Oldenburg in Holstein. Durch die Gründung der Bistümer Aarhus, Ripen und Schleswig, die dem Erzbistum Hamburg-Bremen unterstellt wurden, wurde die Christianisierung der Dänen auf eine organisatorisch gesicherte Stufe gestellt. Diese Politik weitete sich nach Südosten hin aus, so dass schon bei der Schlacht auf dem Lechfeld 955 das Bistum Merseburg existierte. Die Reichskirche folgte so der Expansion des Reiches nach Osten und wirkte auch über die Grenzen hinaus und erweitete sich in Folge dessen auch stark. 948 wurden nicht nur die Bistümer Brandenburg und Havelberg angegliedert, sondern ebenfalls die Neugründungen Merseburg, Meißen und Zeitz-Naumburg, wodurch die Reichskirche nun sogar sechs Kirchenprovinzen umschloss.[77]

Seit der Unterwerfung Herzog Boleslaws I. von Böhmen 950 unterhielt dieser gute Beziehungen zum Königshof und stellte Otto sogar für den Kampf gegen die Ungarn ein starkes Truppenkontingent zur Verfügung. Nach 967 kamen die Vorbereitungen zur Gründung des Bistums Prag schnell voran, allerdings erst nach dem Tod Ottos I. zum Abschluss. Das Bistum wurde dem Erzbistum Mainz unterstellt und blieb somit ein Glied der deutschen Reichskirche. Böhmen wurde also mit dem Reich verknüpft.

Als letzte große Aufgabe blieben die Ungarn übrig, der Schrecken des damaligen Europas. Sie nutzen jede Schwäche im ostfränkischen Reich,[78] um westwärts vorzustoßen. Otto konnte jedoch sowohl den Aufstand als auch darauf die entscheidende Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 für sich entscheiden, nachdem Bischof Ulrich von Augsburg die Angreifer durch die Verteidigung seiner Stadt aufgehalten und Otto sein aus allen deutschen Stämmen bestehendes Heer aufgestellt hatte. Mit einem Schlag war die Ungarngefahr gebannt. Durch die folgende initiierte Christianisierung, die von Otto III. abgeschlossen wurde, wurde so die letzte Bedrohung gebannt und die Ungarn in den Kreis der abendländischen Völker einbezogen.

[74] Erst nach mehr als zehn Jahren konnte eine friedliche Einigung erzielt werden.

[75] Laut Fleckenstein stützte sich der König vor allem auf die Markgrafen Hermann Billung und Gero. Deren Tatkraft sei es zu verdanken, dass die Slawen bis zur Oder in das Reich eingegliedert werden konnten (vgl. Fleckenstein 1988, S. 161f, sowie Fleckenstein 1970, S. 252ff).

[76] Natürlich gehört zu den weniger praktischen Gründen auch die damalige Einsicht, dass das Heidentum von seinem Schicksal zu befreien war. Die Ostmission macht hier die Verbindung von Glauben und Reichspolitik deutlich.

[77] Die großen Säulen, auf denen die Reichskirche fortan ruhen sollte, waren somit die Erzbistümer Mainz, Köln, Trier, Salzburg, Hamburg-Bremen und Magdeburg.

[78] Wie z.B. den Tod König Heinrichs I.. oder den Liudolfaufstand.
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